Der I amsterdam Schriftzug vor dem Rijksmuseum

Niederländisch lernen auf verschiedenen Wegen

Goedendag! Draußen regnet es und ich habe mir einen Tassenkuchen gemacht. Perfekt um sich mit guter Musik und gemütlichem Licht ins Bett zu kuscheln und einen Blogbeitrag zu schreiben :) Letzte Woche war ziemlich voll und ich hatte sehr wenig Zeit zum durchatmen. Heute ist der erste Tag seit Langem an dem ich keine Pläne habe und spannendes Zeug erledigen kann wie Wäsche waschen und aufräumen ;) Und Blogbeitrag schreiben natürlich! Also – was ist das Wichtigste das letzte Woche passiert ist? Ich habe die ersten Schritte getan um Niederländisch zu lernen!

Ik ler Nederlands!

Juhu – ich habe einen Sprachkurs angefangen! Da ich an der Hochschule studiere, habe ich vermutet, dass es vielleicht einen Sprachkurs für Studenten gibt, der kostenlos angeboten wird (wie in Schweden…). Tatsächlich gibt es Sprachkurse von der Universität von Amsterdam, die jedoch nicht umsonst sind. 310€ kostet ein zwölf-wöchiger Kurs mit drei Stunden pro Woche. Das ist der reduzierte Preis für Studenten. Bevor ich mit anderen Angeboten vergleichen konnte, war der Kurs bereits ausgebucht. Das nächstgünstigste Angebot hatte die Sprachschule Taalhuis. Normalerweise kostet ein Kurs mit vierzehn Unterrichtseinheiten hier 280€, doch durch meine Teilnahme an der ISN Introduction erhalte ich einen Sonderpreis von 140€, zuzüglich 40€ für das Lehrbuch. Da die regulären Kurse auch hier bereits alle belegt sind, buche ich einen Intensivkurs, der zweimal die Woche stattfindet.

Dass ich auch als Studentin dafür bezahlen muss, Niederländisch zu lernen habe ich tatsächlich nicht erwartet. Daher steht es für mich auch nicht so richtig zur Debatte, für jedes Level zu blechen. Die Grundlagen kann ich mir sicher selbst beibringen, besonders mit Deutsch als Muttersprache. Ich überspringe den A0 und A0+ Kurs und belege nun den A1 Kurs, der bei Kapitel 8 einsteigt. Die kommenden Wochen werde ich also damit verbringen, die Kapitel 1 bis 7 aufzuarbeiten.

Der Sprachkurs wird damit für mich quasi extra-intensiv. Mal gucken, ob ich A2 dann auf eigene Faust versuche oder einen weiteren Kurs belege. Wenn ja, dann allerdings wahrscheinlich nicht beim Taalhuis, denn leider findet der Unterricht mitten in Amsterdam statt. Mein Fahrradweg nach Hause ist jetzt zweimal die Woche 9km lang und Google sagt, ich brauche dafür 30 Minuten. Das habe ich bisher aber erst einmal geschafft. An das viele Fahrradfahren muss ich mich immer noch gewöhnen. Aber sehen wir es positiv – immerhin lerne ich so auch das Zentrum von Amsterdam ein wenig besser kennen.

Sprachen lerne ich am besten mit Zauberei!

Nein, es reicht nicht, zweimal die Woche zum Sprachkurs zu gehen! Ich nehme alles mit, was ich kriegen kann! Und daher habe ich mir direkt in der ersten Woche „Harry Potter en de steen der wijzen“ aus der Hochschulbibliothek geliehen (dafür muss ich Gott sei Dank nichts bezahlen… Hurra!). Damit lande ich sogleich auch auf der offiziellen Master Digital Design Facebook Seite.

Ich verstehe zwar noch nicht super viel aber das ist vollkommen in Ordnung. Es geht mir jetzt am Anfang darum, mich an die Sprache zu gewöhnen, den Satzbau zu verinnerlichen und meinen Lesefluss zu verbessern. Doch schon beim ersten Satz stolpere ich. Allerdings nicht über ein Wort, sondern über den Namen „Duffeling“. Nun gut, die Dursleys heißen also Duffeling. Doch es kommt noch merkwürdiger: Die Duffelings haben einen Sohn, namens Dirk. Dirk heißt im Englischen und im Deutschen eigentlich Dudley und ich frage mich, ob die Holländer sämtliche Namen außer „Harry Potter“ angepasst haben. Es gibt ganze Listen darüber, welche Charaktere im Holländischen welche Namen erhalten haben, wie zum Beispiel in diesem Tumblr-Post zu finden. Super komisch und ich bin froh, dass die Deutschen einfach die Namen aus dem Englischen übernommen haben!

Eine weitere Gelegenheit um Niederländisch zu üben, sind natürlich meine Mitstudenten. Sie reden Holländisch mit mir, wenn ich es möchte und haben viel Geduld, wenn ich angestrengt überlege, wie ich mit den Wörtern, die ich auf Niederländisch kenne, das ausdrücken kann, was ich sagen möchte. Außerdem habe ich einige nach alten Kinderfilmen gefragt und nun habe ich ein paar Wochenenden vor mir, an denen ich holländische Animationsfilme schauen kann! Angefangen habe ich bereits mit Pocahontas und Der Prinz von Ägypten. Auch hier macht es mir nicht viel aus, dass ich einiges nicht verstehe. Ich gewöhne mich einfach an den Klang, die Aussprache und die Melodie der Sprache.

Die Museumkaart

In Amsterdam gibt es sehr viele Museen, weshalb sich viele hier die Museumkaart gekauft haben. Man bezahlt dafür 60€ und hat für ein Jahr freien Eintritt in alle teilnehmenden Museen. Diese Museumkaart kann man als Tourist nicht kaufen, sie ist nur für Holländische Bürger. Für Touristen gibt es allerdings eine ähnliche Karte, die 31 Tage lang gültig ist. Mit einigen Exchange Students, die ich in der ISN Introduction Week kennengelernt habe, gibt es nun eine „Museum Fun“ Whatsapp Gruppe, in der Museumsbesuche geplant werden. Für mich lohnt sich die Museumkaart noch mehr als für sie, da ich ein ganzes Jahr hier sein werde.

Das Rijksmuseum

Der Anfang war für mich das Rijksmuseum, eines der größten Museen in Amsterdam. Es ist ein niederländisches Nationalmuseum in dem man die Kunst, das Handwerk und die Geschichte Hollands begutachten kann. Mit 2,2 Millionen Besuchern jährlich ist es eins der meistbesuchten Museen in Holland. Da wir mit der Museumkaart jederzeit wiederkommen können, nehmen wir uns Zeit und schaffen in vier Stunden nur die Ausstellungen im Erdgeschoss. Das bedeutet, dass wir noch drei weitere Stockwerke vor uns haben.

Bin ich Amsterdam?

Das Rijksmuseum ist für viele Touristen außerdem ein interessanter Fotopunkt. Denn direkt vor dem Gebäude, auf dem Museumplein, stehen die großen „I amsterdam“ Buchstaben, die oft auf Instagram zu finden sind. Auch wir haben uns den Spaß nicht nehmen lassen und ein sonniges Foto gemacht. Dabei frage ich mich, wann ich tatsächlich „I amsterdam“ sagen werde. Denn dazu gehört für mich, einen Teil von Amsterdam zu verinnerlichen, zu einem Teil von mir zu machen. Mich in Amsterdam zu Hause zu fühlen. Wir werden sehen, wann ich Amsterdam bin :)
Das Rijksmuseum

Der I amsterdam Schriftzug vor dem Rijksmuseum

Bin ich Designer?

Hochschule ist weiterhin etwas chaotisch oder sagen wir lieber … abwechslungsreich. Es fällt mir schwer, den Überblick über Abgaben und Termine zu behalten und es wird laufend von Veranstaltungen und Meetups in Holland zum Thema Design berichtet, zu denen wir gehen können. Meine Mitstudenten sind da teilweise deutlich aktiver als ich. Noch habe ich das Gefühl, mir fehlt die Energie oder die Motivation, abends oder wochenends zu Treffen und Workshops zu gehen.

Ich hoffe, das ändert sich, denn so frage ich mich manchmal „ist Design wirklich das Richtige für mich?“. Es scheint irgendwie dazu zu gehören, dass Designer zu diesen Meetups und Events gehen. Ich schätze ich bin unter anderem hier, um herauszufinden, ob das etwas für mich ist oder nicht. Daher werde ich ab und an einfach mitgehen und schauen, wie es mir gefällt. Aber noch brauche ich einfach Zeit für andere Dinge. Mit Design beschäftige ich mich bereits einen Großteil der Woche. Ich möchte mich nicht unter Druck setzen. Ich möchte in der Zeit die ich hier bin herausfinden und mitnehmen, was für mich interessant ist. Und im Moment gehören Harry Potter, Pocahontas und Moses auf Holländisch eher dazu, als Design-Meetups. ;)

Fragezeichenbilanz nach einem Monat

Wenn man Google fragt, findet man tausende Blogbeiträge und Artikel mit Titeln wie „10 reasons why you should go on exchange“ oder „How going abroad changes you“. In allen Beiträgen kann man lesen, dass man sich durch ein Studium im Ausland oder einen Auslandsaufenthalt selbst besser kennenlernt. Man verlässt das bekannte soziale Umfeld und die eigene Komfortzone und kommt mit anderen Kulturen und Denkweisen in Berührung. Dadurch setzt man sich mit sich selbst und den eigenen Werten und Ansichten aus einer neuen Perspektive auseinander. Was ist mir wichtig? Was kann ich schaffen? Wo sind meine Grenzen? Was macht mich aus? Habe ich tatsächlich gute Gründe für meine Meinung oder kommt die nur durch die Gesellschaft, in der ich aufgewachsen bin?

Was ich nicht bedacht habe, ist die Tatsache, dass Antworten erst viel später kommen. Die erste Zeit hier ist natürlich von Fragen statt Antworten geprägt. Irgendwie habe ich gedacht, ich komme hier her, lerne meine Mitstudenten kennen und weiß ganz einfach wo ich stehe. Aber so leicht ist das nicht. Ein Auslandsaufenthalt kann erstmal verwirrend sein und man muss Geduld haben. Die Fragen die auftauchen akzeptieren. Ich möchte doch offen sein oder nicht? Offen sein bedeutet auch, Fragen zuzulassen und erst mal keine Antwort zu haben.

Aber ich bin sicher, dass einige Fragezeichen am Ende des Studiums verschwunden sein werden. Hoffentlich werde ich irgendwann sagen können „Ja – ich bin Amsterdam“. Denn jede Woche komme ich dem ein kleines Stückchen näher. Nächste Woche schreibe ich zum Beispiel über mein erstes „Vrimibo“ – „Vrijdag middag borrel“ was definitiv zum Holländisch-sein dazugehört, versuche zu erklären, was ein „Borrel“ überhaupt ist und warum ich es fast so gerne mag, wie die Schwedische „Fika“.

Ich wünsche euch einen schönen und entspannten Sonntag! Während ihr den Blogbeitrag lest, lese ich wahrscheinlich gerade Harry Potter auf niederländisch ;) Tot ziens!

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