Ein Auszug aus der kleinen eigenen Digital Design Bibliothek

Hochschule in Amsterdam – Back to school again!

Guten Tag ihr Lieben! Ich befinde mich gerade im Zug von Almere nach Groningen, auf meinem Weg nach Deutschland. Das Wochenende verbringe ich nämlich bei meiner Familie. Die Zeit im Zug nutze ich, um einen neuen Blogbeitrag zu schreiben, den ich hoffentlich bis Sonntag fertigstellen kann! Ich möchte ein wenig von der ersten Woche an der Hochschule erzählen, die chaotisch und anstrengend, aber auch interessant und spannend war.

Es geht für mich nun also tatsächlich wieder los mit dem Studium. Am Montagmorgen des dritten Septembers packe ich meinen Rucksack das erste Mal seit drei Jahren wieder für die Uni – wobei ich um ganz korrekt zu sein, Hochschule schreiben muss. University of Applied Sciences beinhaltet zwar auch das Wort Universität, doch auf Holländisch sagen sie ebenfalls „Hogeschool“, also belassen wir es bei Hochschule. Google Maps angeschmissen, schwinge ich mich aufs Rad, fahre zum Fluss und dann immer am Wasser entlang, bis zur Hochschule am Bahnhof Amsterdam Amstel. Es dauert etwa zwanzig Minuten. Wenn man die Suche für den Fahrradparkplatz nicht mitrechnet…

Fahrradparkplatz Amstel Station

Einer der Fahrradparkplätze vor dem Amstel Bahnhof, neben dem sich das Hochschulgebäude befindet

Welcome to the studio!

Ich laufe zum Klassenzimmer, unserem „Studio“, in dem wir einen Großteil unserer Zeit verbringen werden. Dieser Raum bietet Platz für uns alle und jeder hat einen eigenen Schreibtisch. Wir sind die einzigen, die das Studio nutzen werden. Daher können wir es einrichten, wie wir es möchten und die Tische, Whiteboards und Bildschirme verschieben und umstellen. Unsere Gruppenprojekte, die Vorlesungen und die Tutorien werden hier stattfinden. Es gibt zwei Bücherregale die quasi unsere eigene kleine, studiengangsinterne Bibliothek sind. Sie sind mit allerlei Büchern zum Thema Design, User Experience und Programmierung gefüllt. Mein Schreibtisch gefällt mir besser, als der, an dem ich drei Jahre lang als Softwareentwicklerin gearbeitet habe. Und eine der Wände ist eine riesengroße Whiteboardfläche – etwas, wofür wir auf der Arbeit gekämpft, aber nie bekommen haben. Erster Eindruck: Passt :)

Ein Auszug aus der kleinen eigenen Digital Design Bibliothek

Ein Auszug aus unserer eigenen kleinen Bibilothek :)

Hochschule in Amsterdam – wie funktioniert das?

Der Morgen beginnt mit einer Begrüßung von Gabriele, dem Dozenten für Design Ethics, aus Italien. Er ist außerdem einer der Studiengangskoordinatoren und erklärt noch mal die wichtigsten Eckdaten zum Verlauf des Studiums. Es wird von uns erwartet, dass wir jeden Tag mindestens von zehn bis siebzehn Uhr im Studio sind. Das Gebäude hat allerdings meistens nur bis acht Uhr abends geöffnet, also sollen wir aufpassen, nicht eingeschlossen zu werden, wenn wir mal länger bleiben. Am Wochenende schließt das Gebäude sogar noch eher, sodass wir dann besonders aufmerksam sein müssen. Einige Kunden mit denen wir Projekte durchführen, werden dafür plädieren, dass wir bei ihnen arbeiten. Diese Zeit gilt natürlich auch als „Studiozeit“. Die Einführung darüber, wann die Gebäude geöffnet haben, lässt mich vermuten, dass ich mehr Zeit an der Hochschule verbringen werde, als geahnt.

Der Studiengang gliedert sich in mehrere „Pfade“ die parallel verlaufen: Design Ethics, Design Interaction, Design Research, Design Literacy und schlussendlich die Projekte, in denen alles zusammenfließen soll. Montags und dienstags finden Vorlesungen und Tutorien statt, Mittwoch bis Freitag ist hauptsächlich Projektzeit.

Design Ethics

Im Kurs Design Ethics, der wie alle anderen Kurse im zweiwöchigen Rhythmus stattfindet, geht es um Fragen wie „welche Konsequenzen hat mein Design?“ und „Was ist meine Rolle als Designer in der Gesellschaft?“. „Be mindful as a designer“ ist die Message. Was das konkret bedeutet werde ich im Laufe des Semesters hoffentlich besser verstehen.

Das Beispiel, das mir bisher am besten verdeutlicht hat, welche Konsequenzen aus Designentscheidungen hervorgehen können, ist as Folgende: Nehmen wir an, jemand möchte in Amsterdam studieren, lebt aber in einem anderen Land (erinnert uns das an irgendjemanden?). Eine Unterkunft zu finden ist sehr schwierig und stressig. Es gibt ein Portal, auf dem Studentenzimmer angeboten werden. Um sich etwas zu sichern, muss man innerhalb von einer halben Stunde, nachdem man sich ein Objekt reserviert hat, die erste Zahlung abschließen, die gut bei 1.500€ liegen kann. Es wird allerdings nur VISA und MasterCard akzeptiert. Kein SEPA, kein PayPal, keine Überweisung, kein gar nichts, nur diese beiden Kreditkartentypen. Was bedeutet diese Einschränkung für Amsterdam? Es könnte dazu führen, dass eher wohlhabendere Menschen nach Amsterdam ziehen, bzw. Menschen die über eine der beiden Kreditkarten verfügen. Das ist allerdings nicht überall auf der Welt der Fall. Die angebotenen Zahlungsmöglichkeiten haben also einen Einfluss darauf, für wen es einfacher ist nach Amsterdam zu ziehen und beeinflussen so zu einem gewissen Grad die Gesellschaft in Amsterdam.

Fokus für dieses Jahr: Maintenance und Legacy

Die beiden Themen, die für dieses Semester im Fokus stehen, sind „Maintenance“ und „Legacy“ also Instandhaltung / Bewahrung und Vermächtnis. Es findet ein Brainstorming dazu statt, was diese beiden Begriffe eigentlich bedeuten. Aufkommende Fragen dieser Stunde sind „Sind wir so besessen von Innovation, dass wir vergessen, das gute Alte zu bewahren?“ oder „Lösen wir echte Probleme oder erfinden wir Probleme damit wir ausgefallene Lösungen designen und innovativ sein können?“ Die Aufgabe die wir bis zum Semesterende bearbeiten sollen besteht darin, zu überlegen, welche sechs Artefakte aus der Gegenwart ich zurück zu Designern im Jahre 1994 schicken möchte, um vor etwas zu warnen oder auf etwas aufmerksam zu machen. Ich habe das Gefühl, Design Ethics wird der Kurs, in dem Zeit für Nachdenken und Philosophieren ist. Und das gefällt mir :)

Design Interaction

Oder auch: Creation and Engineering

Wahrscheinlich der Kurs, der vielen am meisten Spaß machen wird, da es hier ans Eingemachte geht. Hier wird gebastelt und gebaut! Aber auch programmiert, was für einige Studenten der „na wenn’s unbedingt sein muss“ Teil des Studiums ist. Unser Dozent, Luis, versteht sich als Künstler, hat mit der Businesswelt nichts am Hut und ist darüber auch sehr froh.

Luis vermittelt uns auf spielerische Art und Weise den Einstieg in Algorithmen. In Gruppen  zu je sechs Personen sollen wir eine Anleitung schreiben, wie jemand mit verbundenen Augen eine Anzahl Menschen der Größe nach sortieren kann. In Bremen waren Sortierungsalgorithmen an der Uni Bestandteil des ersten oder zweiten Semesters, sodass ich mich frage, wieso wir für diese Aufgabe über eine Stunde Zeit bekommen. Mir kommen spontan drei verschiedene Sortierungsmethoden in den Sinn, von denen eine sich für das Sortieren von Menschen vielleicht nicht so gut eignet. Aber für einige Teilnehmer ist es das erste Mal, zu überlegen, wie man so etwas anstellen kann. Also mache ich erstmal keinen Vorschlag sondern bin offen dafür, vielleicht einen neuen Weg zu entdecken, an den ich bisher nicht gedacht hatte. Bei vier Gruppen kommen wir am Ende tatsächlich auf vier verschiedene Wege, Menschen der Größe nach zu sortieren und es hat Spaß gemacht, zu sehen, wie meine Mitstudenten die Herausforderung angegangen sind. Ich bin gespannt auf die kommenden Einheiten.

Die Projekte

Am Mittwoch bekommen wir von Paul, der ebenfalls Studiengangskoordinator ist, eine Einführung in die bevorstehende Projektarbeit. Das erste Projekt beginnt an selbigem Tag und dauert sechs Wochen. Das Zweite wird acht bis zehn Wochen dauern und das letzte zwanzig. Wir wurden in sechs Gruppen à vier Leute eingeteilt, die uns nun mitgeteilt werden. Ich bin mit Alexandra aus der Ukraine, Venus aus Hong Kong und Will aus England in einer Gruppe.

Unser erstes Projekt ist mit dem Partner Informaat, einer bekannten Designagentur in den Niederlanden, die einen Auftrag von der Gemeinde Amsterdam bekommen haben. Es geht bei dem Projekt um Innovation im Themenbereich Energiewende in Amsterdam und wie man den Innovatoren von Amsterdam eine gemeinsame Ausrichtung und eine Platform zur Organisation geben kann. Die Projektbeschreibung enthält viele Buzzwords wie „future-proof city“, „streamlining innovation“, „living roadmap“ oder „open online platform“, aber gibt uns noch nicht das Gefühl zu verstehen, was tatsächlich gewollt ist. Wir verbringen einen Tag damit, das Dokument auseinanderzunehmen, zu analysieren und zu brainstormen, in welche Richtung es gehen könnte. Am Tag danach treffen wir unseren Ansprechpartner von Informaat, der uns noch mal in eigenen Worten ein paar erklärende Hinweise und Ausführungen gibt. Es ist alles noch etwas ungreifbar und es liegt an uns, herauszufinden, wie die Aufgabe am besten umgesetzt werden kann. Viele Freiheiten zu haben ist sowohl ein Luxus, als auch eine potentielle Stolperfalle, denn wir müssen aufpassen, nicht zu viel Zeit mit experimentieren und nachdenken zu verbringen. Sechs Wochen werden schnell um sein!

Wie geht Projektarbeit eigentlich richtig?

Diese Frage stelle ich mir noch immer. In meiner Gruppe haben die anderen Mitglieder jeweils mehr Erfahrung mit dieser Art von Arbeit. Sie kennen die verschiedenen Projektphasen und Methoden und wissen, was vom Kunden erwartet oder gern gesehen wird. Ich versuche so gut es geht zu verstehen, wie das funktioniert und lese über verschiedene Modelle, die den anderen bereits bekannt sind. Venus hat bereits mehrere Jahre als User Experience Designerin gearbeitet und Will und Alexandra sind Freelancer und haben eigene Aufträge und Projekte. Ich kann hier eine Menge lernen und alle haben viel Verständnis dafür, dass ich manchmal recht grundlegende Fragen stelle oder etwas Zeit damit verbringe über die Methoden zu recherchieren, die wir in unserem Designprozess anwenden. Außerdem kann ich kaum eine Richtung befürworten, in die es gehen soll. Ich weiß nicht, wie das finale Konzeptdokument aussehen oder gegliedert sein soll. Oder wie ich interaktive Prototypen mit der Software Figma herstelle. Oder welche Methoden sich am besten eignen um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Das muss ich alles erst lernen. Meine Mitstudenten sind Gott sei Dank sehr hilfsbereit und alle zeigen sich, wie man bisher üblicherweise gearbeitet hat. Insgesamt bin ich mit meiner Gruppe also sehr zufrieden :)

Ein köstlicher Abschluss

Dass wir die erste Woche überlebt haben, musste natürlich gefeiert werden. Es ging ins Canvas, eine Bar, die zu Fuß gut zu erreichen war. Sie liegt im siebten Stock eines Hotelgebäudes, sodass man einen tollen Ausblick hat. Wir tranken zwei Bierchen, Limonade oder Wein, bevor die Gruppe sich aufteilte. Einige gingen nach Hause, einige wollten noch gemeinsam zu Abend essen. Was einfaches, vielleicht Pasta, war der Vorschlag. Wir liefen zur „Spaghetteria“ und stellten dort angekommen fest, dass Pasta hier zu etwas Besonderem und etwas Teurem gemacht wird. Die Karte listet sechs raffinierte Pastagerichte, von denen ich mich für Campanelle Arrabiata entschied. Ich finde meine eigenen Kochkünste was Pasta betrifft jetzt verbesserungsbedürftig denn es war soooo lecker!!

Ausblick aus der Bar "Canvas"

Ausblick aus dem siebten Stock im „Canvas“

Pasta Arrabiata in der Spaghetteria

Pasta Arrabiata in der Spaghetteria

Die erste Woche war also zusammengefasst sehr informativ und der Start als Gruppe lief prima. Im nächsten Blogbeitrag werde ich etwas mehr über meinen zugegebenermaßen noch sehr unregelmäßigen und dynamischen Alltag in Holland schreiben und von den ersten Ausflügen und Aktivitäten berichten.

Macht’s gut ihr Lieben, man liest sich! Ich wünsche euch eine schöne Woche :)

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