Aufgebautes Camp

Master Digital Design – nice to meet you!

Vom 27. bis zum 31. September reiste fast der komplette Studiengang Master Digital Design nach Belgien. Diese Woche, direkt vor dem Semesterstart, sollte dafür sorgen, dass der vierundzwanzigköpfige Jahrgang sich untereinander besser kennenlernt. Die Projektgruppen im Semester sollten so weniger Zeit mit „warm werden“ verbringen müssen und sich direkt auf die Projektarbeit stürzen können. Ich stellte mir das ein wenig wie eine Klassenfahrt vor und freute mich darauf, meine zukünftigen Mitstudenten kennenzulernen. Unter ihnen befinden sich zwölf Holländer und zwölf internationale Studenten, zum Beispiel aus Griechenland, England, den USA, Jordanien, Spanien, Rumänien und China. Die Jüngste von uns ist 21, der Älteste 36 Jahre alt. Wir sind neun Studenten und fünfzehn Studentinnen.

Eine Woche Belgien

Morgens, halb 8 in Diemen – ich schließe den Koffer und mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Mit dem Zug geht es nun das erste mal zur Uni, wo sich alle treffen, bevor es gemeinsam weiter nach Maastricht geht. Die Koffer werden separat gefahren, da wir nach einer Busfahrt von Maastricht gen Süden noch etwa eine Stunde Fußmarsch bis zur Unterkunft vor uns haben. Dabei übertreten wir auch die Grenze zu Belgien, ein kleiner, unscheinbarer Bach mitten im Wald. Bei der Unterkunft angekommen suchen sich alle Zimmer aus. Meistens sind zwei bis drei Leute in einem Zimmer, was das Klassenfahrt-Feeling verstärkt – ich fand’s schön :)

Aufbruch zum Retreat - Sonnenaufgang

Als ich morgens aufbreche, scheint die Sonne noch von Osten in mein Zimmer <3

Gebäude der Hochschule - ein Betonklotz

In diesem wunderschönen Betonklotz werde ich das kommende Jahr studieren ;)

Die Grenze zu Belgien übertreten

Die Grenze zu Belgien. Hätte man uns nichts gesagt, hätten wir es nicht bemerkt.

Master Digital Design = Master of Klassenfahrt

Die Lehrer die mitfuhren stellten uns von Beginn an vor Herausforderungen. Offenbar wurden allerlei Image / Branding Utensilien mitgebracht, wie große „Master Digital Design“ Banner und Fahnen. Diese sollten aufgebaut und gut positioniert werden. Bereits beim Aufbau wurde klar, dass in dieser Woche viele Fotos geschossen und auf Facebook oder Instagram veröffentlicht werden sollten. Der Masterstudiengang ist noch sehr jung – wir sind erst der zweite Jahrgang. Daher muss er sich vergleichsweise stark präsentieren und bekannt machen. Etwa über Social Media, wo ihr auch weitere Bilder und Infos zu unserem Retreat finden könnt.

Andere Aufgaben, die uns bevorstanden waren, dass wir jeden Tag selber kochen, einkaufen und abwaschen sollten. Und das für um die 30 Leute und zwar so, dass möglichst nicht jeden Tag die gleichen Leute die gleichen Aufgaben erledigten. Ich erwartete, dass es wahrscheinlich sehr simples Essen geben würde – Nudeln mit Bolognese, Hot Dogs, Salate, eine einfache Reispfanne vielleicht? Für so viele Leute zu kochen kann kompliziert sein.

Doch ich muss sagen, dass die Gruppe wirklich jeden Tag wunderbares Essen auf den Tisch brachte! Tatsächlich kam mir mehrmals der Gedanke „wow – so lecker werde ich in den kommenden Wochen wahrscheinlich nicht essen“. Für eine Person kocht man einfach nicht so ausgefallen. Es gab Gerichte wie chinesische Teigtaschen, super leckere Hamburger mit einer riesigen Vielfalt, dreierlei verschiedene Tomatensuppe oder Pasta mit verschiedenen Soßen, frischen Beilagen und traditionell holländischer Fleischspezialität. Das Kochen nahm meistens 2-3 Stunden in Anspruch und alle halfen mit, wo Hilfe möglich war. Zum Frühstück gab es für mich meist Brote mit Hagelslaag oder Erdbeermarmelade. <3

Aufbau der Banner

Direkt nach der Ankunft sollten wir unser „Camp“ errichten, zu dem auch das Aufbauen der mitgebrachten Banner gehörte.

Aufgebautes Camp im Master Digital Design branding

Sah am Ende ganz schick aus, aber ich persönlich fand es etwas viel… :D

Hagelslaag Frühstück

Frühstück – Brot mit Hagelslaag und Orangensaft auf der Terasse :)

Und wer zahlt das alles?

Für Unterkunft, Essen und Getränke wurden die Kosten übernommen – ausgenommen alkoholische Getränke. Das heißt natürlich nicht, dass es diese nicht gab, sondern nur, dass diese jeder selber zahlte. Der Rest wurde vom Master gezahlt. Teilweise wurde das Geld von der Uni zur Verfügung gestellt, teilweise finanziert sich der Master durch die Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen, für die während des Semesters Projekte durchgeführt werden.

Mission: Building The Dome

Zwischen Frühstück, Mittagessen und Abendessen arbeiteten wir an dem Projekt für die vor uns liegende Woche, was zu einer richtigen Team Building Aktivität wurde. Allerlei Materialien wurden mitgenommen, um ein großes Konstrukt auf die Beine zu stellen: The Dome. Eine Art große Halbkugel, die von innen mit hellem, lichtundurchlässigem Stoff ausgekleidet wird, um so eine 360° Projektionsfläche zu schaffen. Quasi eine Art low budget self-made 360° Kino. Die Lehrer hatten zuvor bereits einen Miniaturprototypen im Maßstab 1:10 gebaut und konnten uns grob anleiten. Der tatsächliche Dome sollte einen Durchmesser von 5 Metern haben.

Ein Team kümmerte sich darum, das Gerüst zu bauen, ein Team hatte die Aufgabe aus riesigen Stoffbahnen die Auskleidung zu nähen, die von innen an dem Gerüst befestigt wird und mehrere kleine Teams bereiteten Content vor, der mithilfe eines Panoramaspiegels und eines Beamers von innen auf der Projektionsfläche gezeigt werden konnte. Dazu hatten wir vier Tage Zeit.

Ich half irgendwie immer da wo Hilfe gebraucht wurde. Zunächst saß ich mit den anderen „Media“-Geeks drinnen und versuchte herauszufinden, wie wir ein Panoramabild so verzerren konnten, dass es auf den Spiegel und dann möglichst unverzerrt auf den Dome projiziert werden konnte. Dazu probierten wir allerlei Software aus und lasen Tutorials. Dies stellte sich als viel schwieriger heraus als angenommen, da wir mitten im Nirgendwo waren und das Internet entsprechend langsam war. Mit unter einem halben Megabyte die Minute zu laden stellt die eigene Geduld wirklich auf die Probe! Zwischendurch fanden immer Testprojektionen in dem einzigen Raum statt, den wir komplett abdunkeln konnten, da er keine Fenster hatte: Dem Bierraum. Da die Gruppe ziemlich gut vorankam und ich neugierig (und ungeduldig) war, schaute ich auch bei den anderen Teams vorbei.

Testprojektionen im Bierraum

Um ein Gefühl für die Verzerrung des Spiegels zu bekommen, wurden Testprojektionen im Bierraum durchgeführt.

Das Dome Building Team machte beachtliche Fortschritte. Alle waren schon fleißig dabei, die Stangen auf die richtigen Längen zuzusägen. Schon am nächsten Tag wurden die Einzelteile mit Kabelbindern zusammengebunden und das Gerüst stand!

Den Dome bauen

Die Einzelteile wurden mit Kabelbindern zusammengebunden

Schon in der ersten Woche zu viel Stoff

Mit der Stoffauskleidung gestaltete es sich schwieriger. Das große Schnittmuster auf einen riesigen Bogen Papier zu bringen war der erste Schritt, bei dem nichts schiefgehen durfte. Insgesamt brauchten wir vierzehn Bahnen, sodass eine Ungenauigkeit von nur etwa 5cm beim Schnittmuster gerne einen ganzen Meter insgesamt bedeuten konnte. Als das Schnittmuster fertig war, wurde es auf eine Stoffbahn übertragen und diese ausgeschnitten. Die nächste mühselige Arbeit war, das Muster nacheinander auf die vierzehn Stoffbahnen zu stecken und diese anschließend auszuschneiden. Im folgenden Schritt wurden immer jeweils zwei der über fünf Meter langen Stücke aneinander genäht. Dabei lernten fast alle Beteiligten hier irgendwann, wie man eine Nähmaschine benutzt. Es war eine Menge Stoff. Wir nähten auch kleine Stoffstücke mit Ringen an die Bahnen, um diese später ans Gerüst binden zu können. Als wir die letzten Bahnen aneinandergenäht hatten, waren zwei Tage vergangen.

Schnittmuster übertragen

Um das Schnittmuster sauber auf den Stoff zu übertragen brauchte es ein paar Hände.

Stoffbahnen zusammennähen

Auch um die letzten Nähte zwischen den vierzehn Bahnen zu nähen brauchte es helfende Hände, die die Masse an Stoff verschob, damit möglichst flüssig genäht werden konnte

Campfire Stories

Die Studiengangskoordinatoren hatten für jeden Tag, nach dem Abendessen, einen Guest Speaker zu uns eingeladen. Das waren ganz unterschiedliche Leute, die in ihrer Branche oder ihrem Beruf erfolgreich sind und ihre Geschichte und Philosophie mit uns teilten, uns inspirieren und zum Nachdenken anregen sollten. Jeder von uns nahm für sich etwas daraus mit, aber ich denke, eine Sache, die uns allen klar wurde ist, dass es nicht den einen Weg gibt um als Designer erfolgreich zu sein. So vielfältig wie die Menschen sind, so vielfältig sind die Wege zum Erfolg. Und was alle verbindet ist die Überzeugung von ihrer Sache und die Bereitschaft, hart zu arbeiten. Beziehungsweise hatte ich manchmal den Eindruck, dass es viel Arbeit war, die allerdings nicht als harte Arbeit empfunden wurde. Wenn man einer Leidenschaft nachgeht, empfindet man es wahrscheinlich nicht so sehr als Arbeit.

Ich mochte die Idee der „Campfire Stories“, doch muss leider sagen, dass es mir manchmal einfach zu kalt wurde abends, was die Konzentration erschwerte. Am letzten Abend holten wir uns daher eine Decke nach draußen und machten uns bevor es losging eine heiße Tasse Kakao :) So ließ es sich deutlich besser aushalten!

Campire Stories - mit Decke und Kakao!

Die Campfire Stories ließen sich mit Decke und Kakao so viel besser verfolgen! :)

Das große Finale

Der Moment der Wahrheit. Es gab einige Sorgen bezüglich der Auskleidung. War die Form korrekt geworden? Würde das Gerüst das Gewicht der Auskleidung tragen können? Wird die Auskleidung auch an den Nähten lichtundurchlässig sein? Sind die Ringe an den richtigen Stellen um am Gerüst befestigt zu werden? Nach und nach wurden Kabelbinder angebracht, die das Gerüst und die Auskleidung verbanden. Und es klappte tatsächlich fast alles. An einigen Stellen war der Stoff nicht optimal am Gerüst zu befestigen aber insgesamt waren wir sehr glücklich über das Resultat! Es war wie ein großes Zelt, das wir selbst gebaut hatten.

Wir legten den Dome mit Plastikplanen aus und brachten Decken und Sitzkissen hinein. Der Beamer und der Spiegel wurde positioniert und Laptops und Soundsystem angeschlossen. Und dann konnte die Show beginnen – das Content Team präsentierte uns die 360° Inhalte, die es während der vergangenen Tage erstellt hatte. Darunter war ein 360° Panorama Foto von uns, wie wir um das Dome Gerüst herum stehen, eine abstrakte, interaktive Visualisierung, die mit steigender Lautstärke wuchs (was zu einer sehr interessanten Geräuschkulisse im Dome führte, die von Außen sicher sehr verwirrend sein musste), ein musikalisch hinterlegtes 360° Video und eine Animation von Sternen, die verbunden wurden, wobei jeder Stern eine Person darstellte, die anwesend war.

Aufnahme des 360° Fotos von der Gruppe

Aufnahme des 360° Fotos von der Gruppe, wie sie um das Gerüst des Domes steht

Gemütliche Atmosphäre im Dome

Den Dome haben wir mit Decken und Kissen ausgestattet um es etwas gemütlicher zu machen

Die finale Show im fertig gebauten Dome

Die finale Show im fertig gebauten Dome – ein tolles Erlebnis :)

After party

Am letzten Abend wurde der Dome nach der Show natürlich nicht einfach verlassen. Es wurden Wein aus Tetrapacks und richtige Weingläser reingeholt, Musik angemacht und eine langsame Videoprojektion auf den Spiegel geworfen. Die Stimmung war gut, die Gruppe war zu einer Gemeinschaft geworden. Man wollte nicht, dass die Woche vorbei war. Obwohl allen bewusst war, dass wir am nächsten Morgen um 7:00 Uhr frühstücken würden, blieben einige recht lange auf. Das lag vermutlich vor allem daran, dass mit dem richtigen Alkoholpegel und „Ich hab noch nie …“ einige interessante Tatsachen auf dem Tisch landeten. Es dauerte nicht lange, bis beschlossen wurde, verschiedene Wahrheit-oder-Pflicht Apps zu testen. Besonders spannend, wenn Vertreter verschiedenster Kulturen in einem Kreis sitzen, die sich erst seit ein paar Tagen kennen ;)

Wir haben an diesem Abend viel gelacht und viel getrunken und wir haben wenig geschlafen aber trotzdem waren am nächsten Tag alle Zimmer planmäßig leergeräumt und der Truck beladen. Nach einer Stunde Fußmarsch Richtung Maastricht freuten sich viele darauf, einfach zu Hause anzukommen und ins Bett zu fallen (ich gehöre auch zu besagter Personengruppe).

Am nächsten Tag wurden erste Fotos geteilt und Nachrichten wie „It feels weird to wake up alone today 😅“ – „Yes!! So weird. Also not running around building or breaking down or trying to make programs work with other programs“ verschickt. Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei dieser Gruppe. Die Leute sind aufgeschlossen, enthusiastisch, interessiert und irgendwie sind alle auf einer ähnlichen Wellenlänge. Ich glaube, das wird ein gutes Jahr :) Der Plan ging definitiv auf – ich denke, es wird relativ wenig Zeit während des Semesters auf „sich kennenlernen“ fallen.

Until next time

Im nächsten Blogbeitrag schreibe ich etwas über die erste Woche Unterricht und den Start des ersten von drei Projekten mit echten Industriepartnern. Ich hoffe allen Lesern geht es gut und dass ihr diesen Beitrag interessant fandet :) Es hat eine Menge Spaß gemacht den Dome zu bauen und die Gruppe kennenzulernen!

Tot ziens! ;)

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