Grachten von Amsterdam

The ISN Amsterdam Summer Introduction for International Students

Hallo September! Kaum zu glauben, dass ich vor über zwei Wochen die Koffer gepackt habe – die Zeit vergeht so schnell! Das liegt unter anderem daran, dass die zwei Wochen, die ich bisher hier verbracht habe, voll von Treffen und Veranstaltungen waren. In der ersten Woche nach meiner Ankunft fand die ISN Summer Introduction Week statt von der ich ein wenig berichten möchte. Außerdem wurde in dieser Woche auch mein Zimmer renoviert, sodass ich jetzt endlich richtig auspacken und damit anfangen kann, mich einzurichten!

The ISN Summer Introduction

Das ISN (International Student Network) Amsterdam ist ein von Studenten geführter, gemeinnütziger Verband und Teil des ESN (Erasmus Student Network), dem ich auch die tolle Einführungszeit in Malmö verdanke. Für rund 800 Studenten organisierten die Veranstalter die Summer Introduction, für die die Teilnahmegebühr 75€ betrug. Das finde ich ganz schön viel, besonders wenn ich daran denke, dass die Einführungswoche in Malmö kostenlos war. Andererseits ist es mir sehr wichtig, hier möglichst früh Kontakte zu knüpfen, da ich mich nicht länger einsam fühlen möchte. Also bitte – 75€ für vier Tage Summer Introduction.

Dienstag, 21. August – Let’s get started

Gestern habe ich mich von Papa verabschiedet und nun die erste Nacht ganz alleine in meinem noch fremden Zimmer verbracht. Ich fühle mich etwas einsam und hoffe heute, als ich die Tür hinter mir abschließe, ein paar nette Menschen kennenzulernen, aus denen sich vielleicht Freundschaften entwickeln können. Die ISN Summer Introduction soll im DeLaMar Theater im Zentrum von Amsterdam beginnen.

Das erste Mal öffentlicher Personennahverkehr in Amsterdam für mich! Klingt einfach, ist aber ein wenig komplizierter als erhofft. Als Holländer checkt man an allen Bussen, Straßenbahnen, Metros und Zügen mit der OV-Chipkaart ein und aus. Da ich diese noch nicht besitze, muss ich am Bahnhof Diemen ein etwas teureres Einzelticket ziehen. Damit fahre ich zum Hauptbahnhof in Amsterdam und steige dort, nachdem ich mir die anonyme OV-Chipkaart am Schalter gekauft habe, in die Straßenbahn um. An der Haltestelle Leidseplein steige ich aus und laufe zum Theater. Nach meiner ersten Nutzung des ÖPNVs fühle ich mich wieder ein Stückchen mehr in Amsterdam angekommen.

Route vom Wohnheim zum DeLaMar Theater

Die Route vom Wohnheim zum DeLaMar Theater

Blick vom Hauptbahnhof Amsterdam

Mein erster Blick vom Hauptbahnhof Amsterdam

Die ersten Kontakte

Vor dem Theater befinden sich bereits viele Studenten, die meisten in Grüppchen. Eine Weile stehe ich alleine da und traue mich nicht, jemanden anzusprechen – meine Wochenenddepression bedrückt mein Selbstvertrauen noch ein wenig. Doch dann kommt ein anderes Mädchen an und sieht genau so orientierungslos aus wie ich. Sie lächelt mich an und ich frage sie, ob sie auch an der Introduction week teilnimmt. Wir stellen uns einander vor und ich bin froh, mich mit jemandem unterhalten zu können. Sie heißt Jasmine, wodurch sie mich gleich sympathisch wird und mich an meine Schwester erinnert :) Mir geht es besser.

Die knapp über 800 Studenten werden in etwa 40 Gruppen à 20-26 Personen aufgeteilt. Jede Gruppe hat zwei Coaches, normalerweise einheimische Studenten oder solche, die bereits länger in Amsterdam leben und sich ebenfalls gut auskennen. Sie führen die Gruppe durch die Woche. Für unsere und einige weitere Gruppen geht es in den nahegelegenen Vondelpark, einem der beliebtesten Parks in Amsterdam. Die Gruppe ist offen und man unterhält sich mit vielen Leuten, was mich sehr freut. Die Coaches eröffnen die „Group 34 Summer Intro“ WhatsApp Gruppe, in der von heute an viele Fotos geteilt werden. Ich lerne Audrey aus den USA, Giulia aus Italien, Anna aus Berlin, Victor aus Hong Kong, Tom aus Spanien, Eline aus Belgien und Max aus Singapur kennen.

Teilnehmer der ISN Summer Introduction im Vondelpark

Teilnehmer der ISN Summer Introduction im Vondelpark

Top Sunset Locations #1: Undercurrent

Nach einer Canal Cruise Tour, die im Preis enthalten war, geht es in Amsterdam Noord bei „Undercurrent“ von Bord. Hier findet heute für uns das Abendessen im Street Food Style mit anschließender Party statt. Denn Parties sind bei internationalen Studenten natürlich immer beliebt, das weiß auch ISN. Wie erwartet, treffe ich hauptsächlich auf Studenten, die im Bachelor und meistens nur für ein halbes Jahr in Amsterdam sind. Die Party ist okay, das Essen ist gut, die Location ist super! Direkt am Wasser mit Blick auf die Stadt und auf den Horizont im Westen genießen wir hier den Sonnenuntergang. Das ISN hat Fähren organisiert, die ab 21:30 regelmäßig zum Hauptbahnhof fahren. Ich nehme die dritte Fähre, da mein Akku sich dem Ende neigt und ich definitiv noch nicht lange genug hier bin um ohne Handy zurück zum Wohnheim zu finden.

Dinner im Street Food Style bei Undercurrent

Bei der Location Undercurrent gab es Abendessen im Streetfood Style

Sonnenuntergang bei Undercurrent

Der erste Sonnenuntergang den ich in Amsterdam genieße.

Es ist Nacht, der Akku fast leer und die Züge fallen aus

Am Bahnhof angekommen erfahre ich, dass es Probleme mit dem Zugverkehr gibt, sodass ich auf anderem Wege nach Diemen kommen muss. Glücklicherweise treffe ich auf einen Franzosen namens Noe, der das gleiche Problem hat, wie ich. Wir fragen die Angestellten und Busfahrer, was wir am besten machen, da die offizielle App zu diesem Zeitpunkt genau so verwirrt zu sein scheint, wie wir.

Schließlich nehmen wir einen Bus nach Diemen-Süd, von dem aus es eine halbe Stunde zu Fuß zum Wohnheim ist. Ich bin super dankbar, nach Mitternacht nicht alleine laufen zu müssen, besonders da mein Akku inzwischen bei nur noch 4% ist. Ich beschließe, die restliche Woche nicht mehr ohne Powerbank nach Amsterdam zu fahren. In der Nacht durch Diemen zu laufen war für mich okay. Ich habe mich sicher gefühlt, es war ruhig und die Straßen sind gut beleuchtet. Es ist für mich ein sehr beruhigender Gedanke, dass ich auch mal später aus Amsterdam herkommen kann, ohne mich unwohl zu fühlen.

Mittwoch, 22. August – Amsterdam genießen

Der Tag beginnt mit einem Brunch in einem der Uni-Gebäude. Der Brunch ist sehr simpel und alle haben mehr erwartet, besonders, wenn man 75€ für die Woche bezahlt. Aber immerhin – besser als nichts. Nach dem Essen findet ein „Dutch Crash Course“ statt, in dem wir grundlegende Dinge lernen, wie uns vorzustellen, nach einem Getränk zu fragen, das Alphabet und die Zahlen. Der Kurs macht viel Spaß und der Lehrer hat eine tolle und unterhaltsame Art, die Stunde zu gestalten. Leider habe ich nicht erfahren, wie ich während des Semesters die Sprache lernen kann, aber ich bin sicher, das finde ich woanders heraus. Unsere Gruppe geht anschließend zum NEMO Science Museum, von welchem aus man eine tolle Aussicht über Amsterdam hat. Wir essen dort auch etwas und entspannen in der Sonne.

Aussicht vom Science Museum NEMO

Aussicht vom Science Museum NEMO Richtung Osten

Aussicht vom Science Museum NEMO

Aussicht vom Science Museum NEMO Richtung Westen

Grachten photos finally!

Auf dem Weg zurück zur Uni, wo das Abendessen stattfindet, zeigen unsere Coaches uns die Grachten von Amsterdam, das Rotlichtviertel und Chinatown. Und deshalb kommen jetzt endlich die Fotos, auf die wir alle gewartet haben!

Grachten von Amsterdam

Grachten von Amsterdam

Grachten von Amsterdam

Nach dem Abendessen (Mac&Cheese – wieder haben alle etwas mehr erwartet aber immerhin waren die Portionen sehr groß, sodass man satt wurde), geht es für viele in die Bar „Coco’s Outback“. Unsere Coaches meinen jedoch, dass sie recht teuer und heute wahrscheinlich überfüllt sein würde. Stattdessen kaufen wir Bier aus dem Supermarkt und setzen uns ans Ufer der Amstel, wo wir den Sonnenuntergang genießen und den Abend ausklingen lassen.

Heute war die Hin- und Rückfahrt um einiges weniger kompliziert und ich brauche für den Weg zwischen Bahnhof und Wohnheim kein Google Maps mehr – ein schönes Gefühl :)

Sonnenuntergang in den Straßen von Amsterdam

Die Amstel bei Nacht

Die Amstel bei Nacht

Donnerstag, 23. August – International Dinner

Am Donnerstag fanden einige Aktivitäten statt, an denen ich nicht teilnehmen konnte. Den Grund dafür erkläre ich später. Abends findet ein internationales Dinner statt, zu dem jeder etwas besteuern sollte, das typisch für die eigene Nationalität ist. Leider bin ich etwas spät dran und kann nicht mehr kochen, will aber trotzdem gerne teilnehmen. Um wenigstens etwas beizusteuern, kaufe ich Salzstangen, von denen ich hoffe, sie als die billige Variante von Brezeln verkaufen zu können ;)

Das Dinner ist super, die Vielfalt ist riesig. Einige Gerichte erkenne ich aus meinem Auslandssemester in Malmö wieder, wie zum Beispiel die Spanischen Pancakes aus Kartoffeln und Ei, die ich soooo lecker finde! Beim Schwedischen Buffet gibt es leider keine meiner geliebten Kanelbullar – wäre auch zu schön gewesen! Es gibt reichlich zu essen, sodass ich an diesem Abend so satt werde, wie seit langem nicht mehr. Erneut findet anschließend eine Party statt. Ich bleibe für eine Weile, trinke ein Bier und mache mich dann gemeinsam mit Victor aus Hong Kong auf den Weg nach Diemen. Er lebt im gleichen Wohnheimkomplex, allerdings in einem anderen Gebäude. Doch auch er ist sehr freundlich und bringt mich bis vor die Tür meines Gebäudes.

Freitag, 24. August – Ein Ausflug nach Utrecht

An diesem Tag nehme ich nur am Brunch teil, der etwas besser ausgestattet ist, als der am Mittwoch. Für die anderen Studenten heißt es danach Sportklamotten anziehen. Es wird alles mögliche an Sport betrieben – Volleyball, Frisbee, Bouldern, Fechten, Bogenschießen, alles was das Sportlerherz begehrt.

Für mich geht es allerdings nach Utrecht, denn ich besuche Jaap, mit dem ich in Malmö auf einem Floor gewohnt und den ich viel zu lange nicht mehr gesehen habe. Er holt mich vom Bahnhof Utrecht Lunetten ab und wir laufen zu seiner WG. Es tut sehr gut, sich mit ihm zu unterhalten und das Gefühl, einen Freund in der Nähe zu wissen, trägt dazu bei, dass es mir in Holland wieder ein Stück besser geht. Er überlässt mir sein Zweitrad, das er nicht nutzt. Es ist daher natürlich nicht das beste Rad, aber für den Anfang ist es absolut ausreichend und ich bin sehr glücklich darüber. Mit der Suche nach einem besseren Rad kann ich mir jetzt etwas mehr Zeit lassen. Zufrieden hake ich auf meiner inneren Bucket List „Fahrrad fahren in Holland“ ab und fühle mich wieder etwas mehr in Holland angekommen.

Abends findet die große finale ISN Party statt, zu der ich allerdings nicht mehr gehe, da es kalt ist, regnet und ich müde bin. Mein Fazit für die ISN Summer Introduction: Es war super, erste Kontakte zu knüpfen und für Partymäuse gab es viel zu erleben, doch ansonsten ist die Woche viel zu teuer und für den Preis hätte man mehr erwartet. Die Coaches waren super und haben bei jeder Frage gerne weitergeholfen. Sie bekommen keinen Cent für ihre Unterstützung und verdienen in meinen Augen hohe Anerkennung dafür, dass sie die kompletten vier Tage den neuen internationalen Studenten widmen. Ich bin sehr dankbar und war mit meinen Coaches super zufrieden :)

Renovierungsarbeiten abgeschlossen!

Kurzes Update zur Wohnsituation: Die Fliesen im Bad sind erneuert, Wände frisch gestrichen und neuer Boden ausgelegt! Direkt am Montag wurden die Fliesen und die Wände bearbeitet, was ein Grund dafür ist, dass Papa diesen Tag noch bei mir blieb. Am Donnerstag wurde dann der neue Boden gelegt, weshalb ich nicht an den ISN Aktivitäten für diesen Tag teilnahm. Drei der vier Wände sind nun weiß, eine ist hellbraun gestrichen worden, die Fußleisten und Türrahmen, die zuvor rot waren, sind nun ebenfalls weiß und die Tür, die eine hellgrüne Farbe hatte wurde auch in weiß übergestrichen. Der Boden ist quasi der gleiche wie vorher, aber in einem neutralen Grau. Damit sieht mein Zimmer nun viel besser aus als vorher und ich bin froh, mich endlich hier einzurichten. Direkt am Dienstag hing ich die Lichterkette mit Papierschirmchen auf, die auch in Deutschland über meinem Bett hing :)

Die Wände werden frisch weiß gestrichen

Die Wände wurden frisch in weiß gestrichen

Der Boden vorher

Der Boden vorher – in … braun-orange?

Der Boden nachher

Der Boden nachher – ein Grau, das alle möglichen Farben für Teppiche erlaubt :)

Die Lichterkette über dem Bett wurde sofort für mehr Gemütlichkeit aufgehängt!

Die Lichterkette über dem Bett wurde sofort für mehr Gemütlichkeit aufgehängt!

How to feel home

Es gibt einige Wege, auf denen ich versuche, das Zimmer mehr zu einem zu Hause zu machen. Ich habe zum Beispiel zwei meiner Pflanzen mitgenommen, die nun, aufgrund von Platzmangel, vorerst auf der Mikrowelle stehen. Die Kerzengläser, die meine Schwester mir geschenkt hat stehen zusammen mit zwei Bildern aus der Abi-Zeit von mir und meinen Freunden auf dem Regal und werden jeden Abend genutzt. Auf dem Schreibtisch steht der Raumduft, den Mama mir gekauft hat, der hoffentlich dazu beiträgt, dass es hier bald nicht mehr so sehr nach Renovierung riecht.

Ich mag es, ins Bett zu gehen und mich dabei in die gleiche Bettwäsche zu kuscheln, die ich auch in Deutschland benutzt habe. In dem Seifenspender den ich aus Deutschland mitgenommen habe ist noch ein wenig Seife und ich genieße es, dass meine Hände nach dem Händewaschen genau so riechen, wie sie es in Deutschland getan haben. Es gibt mir ein „zu Hause“ Gefühl. Das Gleiche gilt für mein Shampoo, meine Zahnpasta, Handcreme und meine Körperseife, auch wenn es verrückt klingen mag. Ein paar Dinge werden sich mit der Zeit hier ändern aber ich bin froh, dass ich zu Anfang noch die gleichen Produkte nutzen kann, die ich auch in Deutschland genutzt habe. So ist die Veränderung etwas schleichender und damit für mich einfacher.

Master Digital Design – Retreat week

Im nächsten Blogpost schreibe ich über die Woche vom 27. bis zum 31. August, in der ich mit meinen zukünftigen Lehrern und Mitstudenten in Belgien war. Der Studiengang veranstaltete einen „Retreat“ also einen Rückzug in die Natur. Es war eine anstrengende aber auch eine tolle Woche in der ich viel gelacht habe und Teil eines tollen Projekts war.

Es freut mich sehr, dass dieser Beitrag so viel positiver ist, als der vorige. Mit jedem Tag hier wird es einfacher und schöner. Es gibt jetzt endlich Dinge, auf die ich mich freuen kann, wie zum Beispiel den Semesterstart am Montag oder das Abendessen mit der Gruppe aus der ISN Summer Introduction heute Abend. Ich bin zuversichtlicher und kann mir inzwischen tatsächlich vorstellen, dass es hier eine schöne Zeit wird :)

Außerdem bin ich jedes Mal super glücklich, wenn mir jemand schreibt, dass mein Blogbeitrag gelesen wurde. Meine Freunde und Familie erkundigen sich regelmäßig nach mir und ich bin sehr dankbar für ihre Unterstützung. Die Zeit hier wird schöner dadurch, dass ich meine Erlebnisse mit ihnen teilen kann.

Bis zum nächsten Mal! – Tot ziens ;)

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