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Ankunft in Diemen – Aller Anfang ist schwer

Hallo ihr Lieben! Ich hatte gehofft, mich bereits früher aus Diemen melden zu können, aber die ersten Tage waren etwas holpriger als erwartet. Woran das liegt, erfahrt ihr in aller Ausführlichkeit in diesem Beitrag. Nichtsdestotrotz komme ich so langsam dazu, mich einzuleben und der Trubel legt sich immer mehr, sodass ich mir nun die Zeit nehme, ein wenig zu berichten, wie es mir bisher erging.

Das erste Wochenende in Diemen

Freitag, 17. August 2018 – Ankunft im Wohnheim

Ich betrete eines der fünf Gebäude mit 15 Stockwerken in der Straße Rode Kruislaan in Diemen. Das erste, was mir auffällt: Es riecht nicht sehr gut im Treppenhaus. Da ich im ersten Stock wohne, warten wir nicht auf den Aufzug sondern nehmen die Treppe. Die Tür zum Floor 1203, in dem sich mein Zimmer befindet, lässt sich mit einem Chip öffnen. Der Korridor ist sehr schmal, viel schmaler als es der in Malmö war. Ich vergleiche alles mit Malmö, ich kann nicht anders. Mein Zimmer hier hat die Bezeichnung BK3. Damit lautet meine Adresse also: Rode Kruislaan 1203 BK3 in 1111XB, Diemen, the Netherlands. Ich öffne die Tür zu meinem Zimmer und werde mit der Tatsache konfrontiert, dass ich das kommende Jahr in einem 12 Quadratmeter großen Zimmer in einem Hochhaus am Stadtrand von Amsterdam verbringen werde.

Die Ausstattung

In dem Zimmer befinden sich die folgenden Möbel: Ein Bett, ein Nachtschränkchen, ein Regal, ein Schreibtisch mit Schreibtischstuhl und Schreibtischlampe, ein Mülleimer, ein Sessel mit Lederbezug, eine Stehleuchte von IKEA, ein kleiner Kühlschrank und eine Mikrowelle. Die Fenster sind zwar leider nach Ost-Ost-Nord ausgerichtet, sodass nicht viel Sonnenlicht ins Zimmer gelangt, aber sie sind schön groß und haben Vorhänge, die mir gefallen. Bevor man vom Flur aus das Zimmer betritt, gelangt man in ein kleines Eingangszimmer, das nicht zu den 12 Quadratmetern des eigentlichen Zimmers gehört. Hier gibt es einen Kleiderschrank und eine Kleiderstange und etwas Platz für Schuhe. Über der Tür und dem Kleiderschrank sind Ablagen für zum Beispiel Koffer, was ich super praktisch finde.

Das Bad ist sehr klein und ich merke auf den ersten Blick, dass ich mich hieran erst noch gewöhnen muss. Die Toilette hat keinen Deckel, auf dem Spülkasten, dem Klopapierrollenhalter und der Ablage unter dem Spiegel kleben Sticker, die Dusche hat keinen Vorhang sondern ist offen und sie hat keine eigenen Wasserregler, sondern man benutzt die, die auch für das Waschbecken da sind, muss allerdings einen Knauf umdrehen, sodass das Wasser zur Dusche, statt zum Wasserhahn geleitet wird. Das Licht ist kalt und man sieht viele Rohre, die in meinem Badezimmer in Deutschland hinter der Wand versteckt lagen. Die Tür hat kein Gummi, sodass man sie vorsichtig schließen muss, wenn man nicht will, dass sie ins Schloss knallt. Das Bad fühlt sich sehr gewöhnungsbedürftig, kalt und klein an.

Der Zustand

Die Endreinigung des Zimmers hat augenscheinlich nicht stattgefunden. Doch es ist nicht nur dreckig, sondern generell in einem schlechten Zustand. Die Wände sind schmutzig, es klebt altes Klebeband dort, wo wahrscheinlich mal Poster aufgehängt waren, die Möbel sind verstaubt und der Boden ist alt und weist ebenfalls Flecken auf. Im Bad sind die Fliesen und Armaturen verkalkt und das Waschbecken und die Ablage sind ebenfalls nicht saubergemacht worden.

Uff. So habe ich mir die Ankunft in Diemen ganz und gar nicht vorgestellt. Mir sackt das Herz in die Hose. Ich kann Gedanken wie „vielleicht war das alles ein Fehler“ nicht ausblenden. Wie gut, dass ich hier nicht alleine durch muss, sondern Papa noch bei mir ist und mich unterstützt. Wir holen Sachen aus dem Auto, suchen die Lappen und Putzmittel, die ich eingepackt habe und beginnen damit, das Zimmer zumindest grob zu reinigen, bevor das eigentliche Auspacken ansteht. Nachdem das Regal, der Nachtschrank, der Sessel und der Boden einigermaßen sauber sind, muss nur noch das Bett verschoben werden um auch dort den Boden zu wischen. Und dann die böse Überraschung. Papa hat entdeckt, dass es offenbar ein Problem mit Feuchtigkeit in der Wand zum Badezimmer gibt, denn die Wand und der Boden in der Ecke des Bettes ist ganz kaputt und liegt offen.

Und dafür soll ich über 400€ im Monat bezahlen?

Ich kann nicht verstehen, wie niemand das Problem in dieser Zimmerecke bemerkt haben kann, hier haben doch vor mir schon Menschen gelebt! Sofort geht es zum Hausmeister, zwei Gebäude weiter, der gerade Feierabend machen wollte. Er kommt mit zum Zimmer um sich die Sache selbst anzusehen und ist ähnlich stark geschockt wie ich. Da leider kein anderes Zimmer frei ist, muss ich bis und während der Renovierungsarbeiten, die er mir für die kommende Woche verspricht, im Zimmer wohnen bleiben. Außerdem soll ich für die Woche keine Miete zahlen. Er wirkt freundlich, was eine Erleichterung ist. Wir verabschieden uns und Papa und ich holen die restlichen Sachen aus dem Auto. Ich bin sehr niedergeschlagen.

Wir beschließen, erst mal zum Supermarkt zu fahren, da wir natürlich noch kein Essen dahaben. Der Supermarkt Albert Heijn ist nicht weit weg. Man kann in etwa zehn Minuten zu Fuß dort hinlaufen. Er befindet sich im „Winkelcentrum Diemerplein“, dem zentralen Einkaufszentrum in Diemen. Da er bald schließt, müssen wir uns beeilen und kaufen nur das, was wir für den restlichen Abend und das Frühstück am nächsten Morgen benötigen. Ich habe keinen großen Appetit, sodass ich das Abendessen ausfallen lasse. Als wir zu Bett gehen, bemerke ich, dass der Kühlschrank Geräusche macht, an die ich nicht gewöhnt bin und ich mich in diesem Zimmer nicht wohl fühle. Trotzdem schlafe ich sehr bald ein, da es ein sehr anstrengender Tag für mich war.

Samstag, 18. August 2018 – das Zimmer zumindest etwas aufwerten

Es geht mir heute noch sehr schlecht. Ich kriege vom Frühstück nichts runter und beschließe, erst mal zu duschen. Der Strahl ist Gott sei Dank stark und das Wasser wird schnell heiß, vielleicht hat es ja doch einen Vorteil, im ersten Stock zu wohnen. Da ich noch keinen Duschvorhang habe, ist das komplette Badezimmer nass, als ich mit meiner Dusche fertig bin. Papa hat inzwischen gefrühstückt und wir rufen Mama an. Es fällt mir schwer, optimistisch und zuversichtlich zu sein, aber Mama sagt, das Zimmer hat viel Potenzial und wird sich ganz anders anfühlen, wenn die Wände frisch gestrichen und der Boden neu gelegt ist. Außerdem habe ich das Zimmer in Malmö so gemütlich gestaltet, dass sie keinen Zweifel hat, dass ich das Gleiche auch mit diesem Zimmer hinkriege und dann werde es sich hier richtig gut aushalten. Sie macht mir Mut und baut mich auf.

Meine Eltern haben natürlich Recht – es war erst ein Tag in Diemen und alles fühlt sich noch ganz fremd und neu an, natürlich ist das verunsichernd und einschüchternd. Ich muss Geduld haben und den Dingen etwas Zeit geben. Nachdem ich drei Jahre lang in Vollzeit gearbeitet und in meiner eigenen Wohnung gelebt habe, dachte ich, ich habe schon einige Herausforderungen gut bestanden und komme mit der großen Veränderung gut klar, aber das Wohnheim ist so weit von meinen Erwartungen entfernt und als ich an diesem Morgen in meinem neuen Zimmer sitze und mit meinen Eltern spreche fühle ich mich schwach und um Jahre zurück versetzt und brauche den Halt den mir meine Familie gibt.

All you need is Action

Papa und ich fahren mit dem Auto zu „Action“, einem Geschäft, das mich etwas an Tedox oder Zimmermann erinnert, wo man quasi alles mögliche für die eigenen vier Wände zu einem günstigen Preis bekommt. Wir kaufen ein paar Dinge, die das Zimmer hoffentlich etwas angenehmer machen: Eine Hakenleiste, die man über die Tür hängen kann, einen Korb mit Saugnäpfen und eine Matte für die Dusche, eine Klobürste (die, die schon im Bad war, werde ich ganz sicher nicht benutzen…), einen Duschvorhang und eine Stange dafür, eine Fußmatte, die ich in den Flur vor meinem Zimmer legen möchte und Besteck. Die Küche ist nämlich nicht gut ausgestattet und ich weiß nicht, ob die Sachen, die dort in den Regalen stehen schon jemandem gehören oder nicht. Von zu Hause habe ich zwei kleine und zwei große Teller, vier Becher, drei Tassen, eine große und eine kleine Schale mitgebracht, aber kein Besteck.

Zurück im Wohnheim in Diemen angekommen, stellen wir fest, dass die Stange für den Duschvorhang ein kleines Stück zu kurz für das Bad ist. Wir werden kreativ und funktionieren sie zu einem Vorhang für die Garderobe um. Für das Bad muss ich also noch mal nach einer geeigneten Stange suchen. Trotzdem fühlt es sich hier mit der Duschmatte und dem kleinen Korb schon besser an. Auch die Hakenleiste für die Tür ist eine gute Investition gewesen. Die kleinen Dinge machen manchmal sehr viel aus!

Feierabend!

Am nächsten Tag wollen Papa und ich einen Freund von ihm aus Ägypten besuchen, der noch vor Papa nach Europa ausgewandert ist, in die Nähe von Den Haag. Sie haben sich lange nicht gesehen und ich frage Papa, wie sie sich kennengelernt haben. Wir essen Wassermelone, trinken Bier und er erzählt mir von vielen Erinnerungen an die Zeit in der sie sich kennenlernten, an die Zeit in der Mama nach Ägypten kam und an die Zeit, in der er in Deutschland Fuß fasste. Ich mag es, Geschichten aus Ägypten und der Vergangenheit zu hören. Als ich ins Bett gehe und Gute Nacht sage, geht es mir besser als am Tag zuvor.

Sonntag, 19. August 2018 – der perfekte Tag für ein Reifenproblem

In Holland haben Supermärkte auch am Sonntag geöffnet, was ich sehr angenehm finde. Leider heißt das nicht, dass Einrichtungen jeder Art sonntags geöffnet haben. Es hat sehr lange gedauert, bis Papa und ich eine Werkstatt gefunden haben, in der sich jemand den hinteren rechten Reifen des Autos angesehen hat, der ein Problem mit dem Druck zu haben schien.

Wir denken uns, eine Tankstelle ist ein guter Anlaufpunkt und brechen aus Diemen auf. Bei der Tankstelle werden wir allerdings zwei Straßen weiter geschickt, mit dem Hinweis, dass es sein könnte, dass die Werkstatt heute geschlossen hat. Auf dem Weg fragen wir noch mal einen Angler am Straßenrand, da wir die Werkstatt zunächst nicht finden können. Bei der kleinen Werkstatt angekommen, erfahren wir, dass sie heute eigentlich geschlossen hat, aber der Inhaber wirft einen Blick auf unser Problem. Leider kann er uns nicht helfen, aber er leitet uns weiter. Google Maps ist an diesem Tag wirklich eine große Hilfe, doch irgendwie schaffen wir es trotzdem, uns zu verirren.

In einer ganz anderen Ecke von Amsterdam gelandet, fragen wir Passanten um Rat. Bereits bis hierher muss ich sagen, dass jeder, den wir um Hilfe baten unglaublich nett und freundlich zu uns war und sehr hilfsbereit, aber das Pärchen, das wir jetzt gefragt haben, übertrifft noch mal alles. Sie erklären uns, was wir tun können und rufen für uns bei dem niederländischen Pendant zum ADAC an, um nachzufragen, welche Werkstatt heute geöffnet hat. Es ist kalt und windig, aber sie sind freundlich und nehmen sich richtig Zeit für uns. Nach ein paar Minuten in der Warteschlange wird ihnen am Telefon gesagt, wir müssen direkt beim ADAC nachfragen und werden dann weitergeleitet.

ANWB – der Niederländische ADAC und Retter in der Not

Die Idee, einfach beim ADAC anzurufen, hätte uns natürlich schon viel früher kommen sollen, denke ich mir. Wir bedanken uns und wählen uns in die Warteschleife vom ADAC ein. Ich schildere unsere Situation und werde ein paar Minuten später vom ANWB, auf Deutsch dem „Allgemeinen niederländischen Radfahrerverbund“ kontaktiert, der sich inzwischen nicht mehr nur um Radfahrer, sondern um Verkehrsteilnehmer aller Art kümmert. Wir fahren zur uns genannten Adresse und tatsächlich – eine Werkstatt des ANWBs die geöffnet hat! Uns wird Kaffee gemacht und wir können endlich durchatmen. Auch hier sind die Mitarbeiter super freundlich und alle scheinen gut gelaunt zu sein, obwohl Sonntag ist und sie arbeiten müssen. Die Holländer haben uns heute mit ihrer Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit wirklich positiv beeindruckt.

Ab nach Den Haag

Wir machen uns also endlich auf den Weg zu Papas Freund, in die Nähe von Den Haag. Dort ist die Freude groß, es wird sich über alte und neue Zeiten unterhalten und es gibt Essen. Mir wird mehrmals gesagt, dass ich mich jederzeit melden soll, wenn ich Fragen habe oder Hilfe brauche oder auch wenn ich einfach Langeweile habe oder mich einsam fühle. Auch wenn wir uns zuvor noch nie begegnet sind, werde ich wie ein Teil der Familie behandelt und eingeladen. Heute ist ein viel besserer Tag als gestern und vorgestern und als wir wieder zurück in Diemen sind und Mama anrufen, meint auch sie, dass es mir besser zu gehen scheint. Ich kann heute leichter einschlafen als die Nächte zuvor.

Eine neue Woche – ein neuer Start

In meinem nächsten Beitrag berichte ich euch von den Renovierungsarbeiten und der ISN Introduction Week, die internationalen Studenten das Ankommen in Amsterdam und den Einstieg hier erleichtern soll. Die ersten Tage in Diemen waren sehr schwer, die Angst vor dem Unbekannten lag mir schwer im Magen und so manche Träne ist gekullert. Keine Sorge – mein Zimmer sieht inzwischen natürlich besser aus und der Schock der ersten Tage hat sich etwas gelegt. Aber der Anfang war nunmal sehr schwer und auch daran möchte ich mich später erinnern, auch das gehört dazu.

Die schlechten Tage verdrängt man nach einer Weile sehr gut. Ich weiß, dass es in Malmö sehr harte Momente gab, in denen ich dachte, dass ich das nicht schaffe und einfach nur nach Hause wollte. Aber ich weiß nicht mehr, wie genau ich mich gefühlt habe. Die positiven Erinnerungen übertönen die negativen, was natürlich schön ist. Dieser Beitrag schildert eine negative Erfahrung, eine große Herausforderung und hoffentlich war das die schwerste aller Hürden, denen ich hier vielleicht begegne. Aller Anfang ist schwer und ich habe mich ja bewusst dazu entschieden, jemand sein zu wollen, der Herausforderungen mutig begegnet! Der nächste Beitrag wird eine positivere Grundstimmung haben, versprochen.

In diesem Sinne – gebt die Hoffnung nicht auf, glaubt an euch, wir sind alle stärker als wir annehmen und ganz wichtig: Wir sind mit den Herausforderungen, die das Leben uns stellt nicht alleine, sondern haben Familie und Freunde, die uns unterstützen :)

Macht’s gut ihr Lieben, ich melde mich demnächst mit positiveren Erfahrungen aus Diemen!

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