Auf zu neuen Ufern – der Beginn meines Masterstudiums in …?

Wer will ich eigentlich sein?

So eine philosophische Eingangsfrage. Ich habe entschieden, mir über diese Frage mehr Gedanken zu machen als über die Frage „Wer bin ich eigentlich?“. Der Grund war ein TED-Talk zum Thema „How to make hard choices“ von Ruth Chang. Denn ich stand vor einer sehr schwierigen Entscheidung. Anfang des Jahres entschloss ich mich dazu, noch einmal die Chance zu nutzen, im Ausland zu leben und bewarb mich für zwei Masterstudiengänge auf dem Gebiet Interaktions- und User Experience Design in Malmö und Amsterdam. Im Nachhinein wünsche ich mir ein wenig, ich hätte keine Wahl gehabt und nur eine einzige Bewerbung abgeschickt, denn beide Bewerbungen bekamen eine positive Antwort und ich musste eine Entscheidung treffen.

Schwierige Entscheidungen werden erst dadurch schwierig, dass die Optionen die man hat ähnlich gut sind. Wäre eine Option besser als die anderen, wäre es keine schwierige Entscheidung. Pro-Contra-Listen ergeben, dass beide Optionen ihre Vor- und Nachteile haben und im Endeffekt auf eine fast gleiche Punktzahl kommen. Auch das Experiment Münze werfen und schauen wie zufrieden man mit dem Ergebnis ist half nicht weiter. Eine Umfrage im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis brachte keine eindeutige Tendenz. Anstatt zu versuchen, herauszufinden, welche Option „besser“ ist, stellte ich mir, nachdem ich den TED-Talk gesehen hatte, eher die Frage: „Welche Option passt dazu, wer ich sein will?“. Denn schwierige Entscheidungen sind laut Chang eine Chance, die eigene Persönlichkeit zu formen und zu entwickeln. Ich entschied mich dafür, jemand zu sein, der neue Dinge entdeckt und sich Herausforderungen stellt und viel Neues lernen will. Die Wahl fiel auf Amsterdam, eine neue Stadt in einem neuen Land, mit der Aussicht darauf, eine weitere Sprache zu lernen.

Die Stadt in der ich studieren werde - Amsterdam!

Die Stadt in der ich studieren werde – Amsterdam!

Sich Herausforderungen stellen

Meine Entscheidung birgt deutlich härtere Herausforderungen als ich geahnt hatte. Die erste war die Wohnungssuche in Amsterdam. Die Stadt hat ein großes Problem mit Wohnmöglichkeiten, der Bedarf kann nicht gedeckt werden. Dementsprechend ist es zum Einen zeitaufwändig und nervenaufreibend und zum Anderen teuer, eine Unterkunft in Amsterdam zu finden. Ich registrierte mich für das Student housing System (Verwaltungsgebühr direkt mal 400€, geht schon gut los …) und hatte ziemlich genau einen Monat vor Ankunft in Amsterdam dann tatsächlich endlich ein Zimmer in einem Studentenwohnheim in Diemen, einer kleinen Stadt, direkt angrenzend an Amsterdam mit knapp 30.000 Einwohnern. Das Zimmer befindet sich etwa 30 Radminuten vom Zentrum Amsterdam und 15 Radminuten von der Hochschule entfernt, ist 12qm groß, möbliert, hat ein eigenes Badezimmer und die Küche wird mit 7 anderen Studenten geteilt. Dafür bezahlt man 423€ im Monat. Amsterdam (und Umgebung) ist also schweineteuer – noch um einiges teurer als Malmö.


 Meine zukünftige Fahrradroute vom Wohnheim zur Uni

Wenn ich das nur früher recherchiert hätte, dachte ich so manches Mal. Die Sehnsucht nach Malmö kommt immer wieder hoch und mein Herz hat nicht viel Verständnis dafür, dass ich Nein zu Malmö gesagt habe – die nächste Herausforderung. Ihm bleibt nun nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass das die richtige Entscheidung war. Wobei es vermutlich kein „falsch“ und „richtig“ in dieser Hinsicht gibt. Doch es war so viel schwerer als erwartet, die E-Mail nach Malmö zu schicken, in der ich den Studienplatz ablehnte. Und ich kann mir vorstellen, dass es viele Momente in Amsterdam geben wird, in denen ich denke „vielleicht wäre Malmö doch besser gewesen“. Aber ich bin sicher, dass es mindestens genau so viele Momente geben wird, in denen ich glücklich darüber bin, mich für Amsterdam entschieden zu haben. Und auch wenn ich noch nicht weiß, wie diese Momente aussehen werden, freue ich mich auf sie und kann es kaum erwarten, neue Erinnerungen zu sammeln und festzuhalten.

Die letzten Wochen vor dem Master

Im Moment ist alles noch sehr stressig. Der schrittweise Auszug aus meiner Wohnung, das Verkaufen vieler meiner Möbel auf Kleinanzeigen, die letzten Tage auf der Arbeit und das Vorbereiten für den Auslandsaufenthalt – das ist manchmal etwas viel auf einmal. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung von meiner Familie und meinen Freunden, ohne die das alles so gar nicht zu schaffen wäre. Spätestens Ende September werde ich hoffentlich sagen können, eine Art Alltag in Amsterdam und Diemen gefunden zu haben, der nicht durch und durch stressig ist, sondern in dem ich mich einfach wohl fühle. Ich werde versuchen, wie schon in Malmö, ab und zu ein paar Erinnerungen und Eindrücke hier auf meinem Blog festzuhalten und euch ein bisschen an meinem Leben in den Niederlanden teilhaben zu lassen.

Ich bin gespannt auf die kommenden zehn Monate im Master Digital Design an der Hogeschool van Amsterdam, die schönen und die schwierigen Momente, die Begegnungen und die Entdeckungen die sie enthalten werden.

Bald melde ich mich wieder, als Studentin aus Holland!

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