Das eigene Zimmer als Spiegel der Seele?

Kurze Verschnaufpause. Gerade räume ich mein Zimmer so richtig auf. Alles runter von den Tischen und Regalen und sonstigen Ablagen, der ganze Kram kommt erst mal irgendwohin wo er nicht stört, ich staube die Ablagen ab (und mich ein) und stelle nur die Dinge wieder auf, die auch dort hingehören. Die anderen bleiben erst mal weiterhin im Haufen “mal gucken wo das hinkommt”, der immer nur größer statt kleiner und stets von A nach B weitergeschoben wird. Während die Ablagen super aussehen macht das Zimmer insgesamt noch den Eindruck eines Saustalls. Jemand (Ernst Freiherr von Feuchtersleben im 19. Jahrhundert, um genau zu sein) hat mal gesagt “in einem aufgeräumten Zimmer ist auch die Seele aufgeräumt”. Diese Analogie kennt vermutlich jeder, ob er ihr nun beipflichtet oder nicht. Ich selbst weiß nicht genau was ich davon halten soll. Und doch muss ich gestehen, dass ich es vor mir hergeschoben habe aufzuräumen, weil es sich irgendwie anfühlt wie Abschied nehmen. Ganz nostalgisch werde ich dabei und ich tue mich schwer Dinge wegzuwerfen, aber einen geeigneten Platz für sie zu finden ist genau so schwer. Aber irgendwann ist sicher alles an seinem Platz, auch wenn viele Dinge gar nicht lange dort bleiben werden.

Denn schon in 6 Tagen bin ich in Malmö! Und einiges aus meinem Zimmer werde ich mitnehmen, auch wenn manches davon wohl gar keine praktischen Vorteile bietet. Aber durch ein paar Bilder, Figürchen, Kerzen und anderen Nippes wird mein Zimmer in Malmö hoffentlich ein bisschen heimeliger und ich fühle mich etwas mehr zu Hause :)

Auf den letzten Drücker gibt es hier und da noch Probleme. In den letzten Tagen bin ich von der Bank zum Zahnarzt zum Fahrradhändler, wieder zur Bank und noch mal zum Zahnarzt gerannt. Wenn das so weitergeht wird die letzte Person, die ich vor der Abreise sehen werde vermutlich mein Zahnarzt sein.

Immer wenn man Oma, Opa, Tante, Onkel, Cousin, wen auch immer sieht, wird ganz aufgeregt gefragt, wie lange es denn noch ist und ob man sich noch mal sehen wird bevor es losgeht, für den Fall, dass man sich nun für fast ein halbes Jahr verabschieden muss. Aber wenn ich mich bisher nicht mal richtig von meinem Zahnarzt verabschieden brauche, dann doch erst recht nicht von meiner Familie ;) An dieser Stelle kann ich auch die Gelegenheit nicht auslassen zu erwähnen wie lieb mir alle helfen. Meine Patentante hat mir zwei Stromadapter gegeben und bekommt bald auch endlich ihren Schwedisch-Sprachkurs (auf Kassette!) wieder. Außerdem darf ich von ihr und meinem Onkel auf eine Art deutsches Care-Paket hoffen, während ich in Schweden bin :) Ich werde denke ich darauf zurückkommen ;) Meine andere Tante hat mir einige Filme und Serien mit schwedischen Untertiteln geliehen, die ich viel öfter gucken wollte aber trotzdem sehr hilfreich waren. Durch sie kann ich bei der Gartenparty außerdem zwei Bierzelt-Garnituren in den Garten stellen (falls wir uns überhaupt im Garten befinden wollen. Dazu aber gleich mehr.) und von ihr habe ich ein raffiniertes Gerät, das aus Leitungswasser Mineralwasser mit Kohlensäure zaubert bekommen :) Auch Oma und Opa haben mir mit der Gartenparty unter die Arme gegriffen und uns ihren Grill ausgeliehen. Und ich kann von ihnen ein kleines Bügeleisen bekommen :) Viele praktische Dinge, die ich mir selber nicht besorgt hätte bekomme ich von meinen Verwandten. Alle wünschen mir das Beste und eine tolle Zeit in Schweden und ich vermisse sie alle jetzt schon, aber das wird :)

In meinem Freundeskreis beginnen die ersten Planungen zu Ereignissen an denen ich nicht mehr da bin. Ich versuche nicht wehmütig zu sein, sondern mich auf Malmö zu freuen aber hoffe doch, bei den meisten Feiern und Ausflügen via FaceTime oder Skype oder was die moderne Technologie sonst so zur Verfügung stellt ein bisschen dabei sein zu können :) Das erste Wiedersehen gibt es immerhin bereits im September <3 Und von allen Seiten höre ich, wie schnell doch ein halbes Jahr rumgeht, was ich mit gemischten Gefühlen aufnehme. Ich freue mich jetzt schon darauf wieder nach Hause zu kommen, aber ich möchte die Zeit in Schweden auch in vollen Zügen genießen und nicht auf einmal aufwachen und denken “Mist, bald ist es schon vorbei, dabei bin ich doch gerade erst angekommen”. Es wird eine aufregende Zeit (mir fällt gerade auf, dass das Wort “Regen” in “aufregend” vorkommt… wie passend…) und ich versuche einfach alles auf mich zukommen zu lassen. Schluss mit Sorgen darüber wie das alles wird. Schluss mit Vorstellungen von einer Zukunft, die sowieso anders wird als ich es mir denke.

Wahrscheinlich sollte ich mich wieder meinem Zimmer widmen. Das war eine äußerst lange Verschnaufpause.

Aber ich habe eine Kleinigkeit vergessen! Der Wetterbericht für den Tag der Gartenparty sieht katastrophal aus und wird von Tag zu Tag noch schlimmer! Noch hoffe ich, dass sich das Blatt noch mal wendet. Die ganzen schönen Kerzen und Bänder wirken im Garten doch bestimmt so viel besser! Aber auch drinnen würde es vom Platz her sicher irgendwie passen, es muss :) Das Wetter kann mir gestohlen bleiben, das Wichtigste sind die Leute die kommen werden.

Ich freue mich schon sehr auf den Abend :)

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